Stromnetz: Dezentral im Gleichtakt

Das Stromnetz der Zukunft wird dezentraler sein als heute. Statt einiger weniger Großkraftwerke speisen dann zahlreiche kleinere Solaranlagen und Windräder ihren Strom ein und versorgen die Waschmaschinen, Computer oder Industriemaschinen der Verbraucher. Aber wie stabil wäre so eine Netzstruktur? Und wie gut lässt sich der Stromfluss in einem solchen Netz synchronisieren?

Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen haben dies nun untersucht - mit überraschenden Ergebnissen. Anders als manche Experten befürchten, wird ein sehr feinmaschiges Stromnetz wahrscheinlich nicht empfindlicher für Stromausfälle. Zudem könnte ein zentraler "Dirigent" im Stromnetz der Zukunft vielleicht sogar überflüssig werden…

 

Quelle: www.scinexx.de vom 14.09.12

Was aber passiert, wenn in einem dezentraleren Netz eine Verbindung ausgeschaltet wird oder ausfällt? Laut der Simulationen der Göttinger Wissenschaftler reagieren solche Netze wesentlich robuster auf den Ausfall einer einzelnen Leitung. Der Grund: es gibt im feinmaschigen Netz immer Leitungen in der Nachbarschaft, die die Last einer ausgefallenen Leitung übernehmen können. Anders als im grobmaschigen Netz gibt es nur wenige unverzichtbare Hauptverbindungen, deren Ausfall ein ganzes Netz lahmlegen könnte. 

Der Forscher versteht die Ergebnisse der Simulationen dennoch als Ermutigung für den Bau von dezentralen Netzen. „Bislang blickt man eher sorgenvoll auf mögliche Effekte, die eine große Zahl kleiner Generatoren in einem engmaschigen Netz kollektiv hervorrufen können“, sagt der Physiker. Man habe Angst, dass sie häufiger Stromausfälle verursachen. „Doch unsere Arbeit zeigt, dass eher das Gegenteil der Fall ist und kollektive Effekte sehr nützlich sein können.“

Klingt interessant. Etwas irritierend ist

Um ihr Computermodell auch praktisch nutzbar zu machen, streben die Göttinger Forscher die Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Netzbetreibern an. Erste Kontakte gibt es bereits. Unterdessen verbessern die Wissenschaftler ihr Modell.

sollte nicht zuerst mit den Praktikern gesprochen werden?