Stromnetz – die Störfälle nehmen zu

Früher waren Eingriffe fünfmal im Jahr nötig, heute fünfmal am Tag“, erklärte gestern ein schleswig-holsteinischer Branchenkenner. Es vergleicht die Situation mit einem Schnellfahrer auf der Autobahn, der ständig Gas gibt und abbremst und immer dicht auf der Stoßstange des Vordermanns hängt. „Das mag lange gut gehen, wenn – wie bei Tennet – geübte Leute am Steuer sitzen. Doch irgendwann kracht es.“ 

Womöglich schon in diesem Winter: Bei strengstem Frost müssen die noch übrigen Kernkraftwerke, die auf die Kühlung durch Flüsse angewiesen sind, Kapazitäten herunterfahren, Braunkohle friert ein oder die Russen drosseln die Gaszufuhr – alles schon da gewesen.  

Quelle: www.shz.de vom 04.09.13

Planwirtschaft und der steigende Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix gefährden die Versorgungssicherheit.

Warner und Mahner hat es genug gegeben. Vor mehr als einem Jahr hat sogar die bundeseigene Netzagentur auf das wachsende Risiko eines großflächigen Blackouts hingewiesen. Das Problem liegt schließlich auf der Hand: Auf der einen Seite haben die Marktliberalen in der Berliner Koalition das alte Oligopol von RWE, Eon & Co. geknackt und die Energieriesen gezwungen, ihre Stromnetze an Dritte zu verkaufen. Im Prinzip ein guter Ansatz, der endlich für mehr Wettbewerb gesorgt hat. Auf der anderen Seite wird jedoch der Bereich der erneuerbaren Energien nach dem klassischen Prinzip einer Planwirtschaft reguliert. Alle Marktmechanismen hat man außer Kraft gesetzt, indem man Wind- und Sonnenstrom in beliebiger Menge zum festen Preis ankauft – egal ob er gebraucht wird oder nicht.

Hier kollidieren zwei Systeme, die nicht zusammen passen. Das muss mittelfristig zum Kollaps führen, weil im deregulierten Bereich niemand mehr investiert und fossile Kraftwerke baut, um bei Windstille Strom zu liefern. Katastrophenübungen und Arbeitskreis-Gründungen sind nur der hilflose Versuch, angesichts der brisanten Lage Aktivität zu demonstrieren.

Wir werden es leider erst glauben, wenn es passiert ist - "Schwarze Schwäne" eben.