Stromversorgung & Blackout - Februar 2013

Düstere Aussichten. Wenn der Strom ausfällt.

Der Gedanke mag zuerst etwas Heimeliges haben: Stromausfall - das bedeutet: Kerzenscheinromantik, Gruselgeschichten, gemütliches Beisammensitzen ohne Fernseher und hoffen, dass die Ursache bald behoben ist.

Was aber, wenn nicht nur in einem Haus oder einer Straße der Strom ausfällt? Was passiert, wenn eine ganze Stadt ohne Elektrizität auskommen muss? Wenn der Strom vielleicht sogar österreichweit ausfällt oder in weiten Teilen Europas, wie im Jahr 2006?

Wie ist die Situation in Österreich? Wer befasst sich mit der Möglichkeit eines großflächigen Stromausfalls? Wie sehen die Pläne für den Notfall aus? 

 Quelle: Ö1 - Moment am Sonntag vom 03.02.13

50,2-Hertz-Nachrüstung für PV-Anlagen: Holpriger Start

Weil die Kommunikation zwischen Netz- und Solarbetreibern hakt, kommt die 50,2-Hertz-Nachrüstung für Solaranlagen in Deutschland kaum in Gang. Je nach Region habe die Hälfte der Anlagebesitzer die Anmeldung nicht gemacht, berichten die Behörden. Doch werden die Sonnenkraftwerke nicht rasch umjustiert, drohen im europäischen Verbundnetz Probleme.

Stattdessen starten die deutschen Unternehmen alles andere als koordiniert in die grosse Umrüstaktion. 

Kommt jedoch nicht bald Schwung in die Nachrüstung, steigt das Risiko von Blackouts. „Wir sind akut gefährdet“, warnt Ecofys-Netzexperte Michael Döring. Im Normalbetrieb werden die Stromnetze in Europa im Verbund betrieben, die systemweite Frequenz bleibt stabil bei Werten nahe des Sollwerts von 50,0 Hertz. Steigt die Frequenz jedoch aufgrund einer Störung auf 50,2 Hertz an, würden sich an einem sonnigen Tag in Deutschland abrupt bis zu 314000 Solaranlagen mit 14 Gigawatt Gesamtleistung ausschalten. Da im europäischen Verbundnetz aber nur drei Gigawatt Reserveenergie verfügbar ist, könnte der Ausfall der solaren Erzeugungsleistung nicht kompensiert werden. „Dann würde die Frequenz wahrscheinlich unter den Sollwert fallen und es zu kaskadierenden Abschaltungen zusätzlicher Erzeugungsleistung zum Beispiel von Windturbinen am Mittelspannungsnetz kommen, von denen sich ein Teil richtlinienkonform bereits bei 49,5 Hertz abschalten würde“, erklärt Döring. „Die Konsequenz wäre ein grossräumiger Ausfall der Elektrizitätsversorgung in Teilen Europas.“

Quelle: www.ee-news.ch vom 01.02.13   

Das 50,2 Hz Problem stellt derzeit wahrscheinlich einen der gefährlichsten SPOF (Single Point of Failure) und eine Sollbruchstelle im europäischen Verbundnetz dar. 


Warum die Energiewende ein hohes Blackout-Risiko birgt 

Deutsche griffen zur Kaltreserve

Eine Starkwindfront in Deutschland bringt die Betreiber von Stromnetzen in die Bredouille. Deutschland hat wegen des starken Winds erstmals in diesem Winter die sogenannte Kaltreserve zur Sicherung einer stabilen Stromversorgung angezapft. Laut dpa wurden bis zu 1.000 Megawatt (MW) Kaltreserve angefordert, vor allem aus Österreich.

 

 Quelle: ORF.at vom 29.01.13

Energiewende erweckt alte Ölkraftwerke zum Leben

Weht in Deutschland der Wind zu stark, muss Österreich mit teuren und ineffizienten Ölkraftwerken einspringen, um das deutsche Netz zu stabilisieren. Die Europäische Union fordert ein Umdenken.

  Quelle: Die Presse vom 30.01.13

Eine gut gemeinte Wende, die direkt ins Blackout führt 

Das Ziel der grünen Energiewende ist richtig. Das Tempo und die dafür eingeschlagenen Wege in vielen Fällen jedoch nicht. Das gehört geändert. 

Quelle: Die Presse vom 30.01.13

Drei aktuelle Artikeln, welche die Zusammenhänge und Problemstellungen sehr gut beschreiben - vor allem die Krisenhafte Situation in der 5.KW, die wiedereinmal vom "Markt" ausgelöst wurde, weil dieser keine Rücksicht auf physikalische Erfordernisse und Grenzen nimmt. 


Reparaturversuche statt Zukunftskonzept

Das Vorhaben heißt "Energiewende" und trotzdem tun alle so, als ob es nur um eine "Stromwende" ginge. 

Inzwischen stammt fast ein Viertel des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen. Ebenso verblüffend ist der Preisverfall. Inzwischen lässt sich Windstrom bei günstigen Bedingungen für sieben Cent und Solarstrom für kaum mehr als zehn Cent pro Kilowattstunde erzeugen, auch das hätte noch vor kurzem kaum jemand für möglich gehalten. 

Quelle: www.tagesschau.de vom 14.02.13 

Das Problem sind unvernetzte Denkweisen und die Absicht, die bisherige zentrale Energieerzeugung einfach nur durch dezentrale Erzeugung zu ersetzen. Dabei wird mit den großen (Off-Shore) Windanlagen ein immer weniger beherrschbares System geschaffen. Die derzeitigen Intentionen, diese Probleme durch mehr Netzausbau zu lösen gehen ebenfalls in die falsche Richtung. Die zukünftige Energieversorgung wird dezentral sein - nicht nur in der Erzeugung und dazu müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden - was natürlich wider der bisherigen Denklogik und den bestehenden Geschäftsmodellen ist. Mit regionalen Speichersystemen kann der volatile Ökostrom gepuffert werden und ein großflächiger Netzausbau wird überflüssig, was aber den Ausbau von einzelnen Abschnitten nicht ausschließt.

Die größte Herausforderung in der Energiewende - zumindest was die Stromversorgung betrifft - ist der Umbau des Gesamtsystems von einer zentralen zu einer dezentralen und damit resilienteren Struktur. 


Warnung vor Blackout in Europa

Die Bedrohung für Österreichs Stromnetze kommt von außen, sagen Experten. 

Zu Veränderungen in der Netzbelastung kommt es beispielsweise dann, wenn die Balance zwischen Verbrauch und Erzeugung nicht mehr gewährleistet werden kann. In den vergangenen Jahren musste in Österreich daher immer häufiger eingegriffen werden, wenn es zu Engpässen gekommen ist. Zuständig dafür ist in Österreich die Austrian Power Grid AG (APG). „Während die APG im Jahr 2009 noch etwa 1800 Netzeingriffe zählte, waren es 2011 bereits 2500. Eine Zunahme notwendiger Netzeingriffe ist in den vergangen Jahren also zu beobachten“, erklärt Markus Pederiva von der APG.

Der niederösterreichische Energieversorger EVN bestätigt gegenüber dem KURIER, dass ein Blackout aus diesen Gründen „nicht auszuschließen“ sei, will der Energiewende aber nicht alleine die Schuld für die zunehmende Blackout-Gefahr in Europa geben. „Es ist alles eine Frage der Rahmenbedingungen und wir stehen vor großen Herausforderungen. Bei der Energiewende dürfen wir vor allem nicht auf Kraftwerke vergessen, die für die Stabilität des Netzes sorgen können.“

Blackout-Vorsorge ohne Panik

Um sich auf ein Krisenszenario wie einen länger andauernden Stromausfall vorzubereiten, sollte jeder Haushalt einen Notvorrat an Trink- und Brauchwasser, Not-Lebensmittel, Treib- und Brennstoff, Kerzen, Zündhölzer, Taschenlampen, Medikamente, Bargeld und Batterien anlegen, um überleben zu können.

In Wien ist die Wasser- versorgung, anders als in Bundes- ländern, auch im Falle eines Stromausfalls zu 93 Prozent gewährleistet. Nur in höher gelegenen Gebiete und in Hochhäusern wird es zu Problemen kommen.

 Quelle: Kurier vom 18.02.13

"Ein Blackout in naher Zukunft ist realistisch"

Was passiert, wenn ganze Städte oder Länder ohne Elektrizität auskommen müssen? Herbert Saurugg vom Verein für Cyber Security Austria (CSA) erzählt im futurezone-Gespräch, warum es in Österreich praktisch jederzeit zu einem großflächigen Stromausfall kommen könnte und warum man bei der Einführung von Smart Metern mehr beachten sollte als nur den Zähleraustausch. 

 Quelle: futurezone.at vom 19.02.13


Blackout - Geht uns das Licht aus? 

In Abenteuer Forschung beleuchtet Harald Lesch, wie real die Gefahr eines Blackouts heute tatsächlich ist. Kommt es durch die Energiewende zu mehr Stromausfällen? Wie kann man das Netz sicherer und stabiler machen? Ist dezentral erzeugter Strom eine Lösung – oder ein neues Risiko für die Sicherheit der Stromversorgung? Harald Lesch stellt die Argumente von Befürwortern und Gegnern auf den Prüfstand.

Quelle: ZDF vom 19.02.13

Video zum Nachsehen - Mediathek

Eine sehr gut gemachte Sendung, wenn vielleicht zu Beginn auch etwas überzeichnet.


Bundesheer und Sicherheit 

Generaldirektor Kogler. Auch in Zukunft wird bei solchen Anlässen auf das Bundesheer zurückgegriffen werden. Ein mögliches Szenario: Bei einem über mehrere Tage andauernden Stromausfall und dem damit verbundenen Zusammenbrechen vieler Bereiche des täglichen Lebens könnte eine Unterstützung durch Soldaten bei der Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit notwendig werden, etwa zur Verhinderung von Plünderungen. In solchen Fällen wären eine zivile Sozialisation und soziale Kompetenzen besondere Anforderungen für unterstützende Soldaten. „Diese Fähigkeiten sind in einem auf der allgemeinen Wehrpflicht beruhenden Bundesheer stärker gegeben als in einem Berufsheer“, betont Kogler.

Sicherheitspolitische Bewertung. Die Herausforderungen und Bedrohungen im Bereich der Sicherheit werden komplexer und weniger vorhersehbar als bisher.

Quelle: Öffentliche Sicherheit Ausgabe 1-2/2013