Stromversorgung & Blackout - Jänner 2013

Behörden, Bürger und Firmen sind zu schlecht auf Stromausfälle vorbereitet, warnen Experten.

Quelle: www.tagesspiegel.de vom 22.01.13

Deutschland und vor allem auch der Großraum Berlin sind unzureichend auf große Stromausfälle vorbereitet, die mit dem Fortgang der Energiewende aber immer wahrscheinlicher werden dürften.

Nicht nur Deutschland ...

„Oft merken wir erst, wie stark wir von einer Dienstleistung abhängen, wenn sie plötzlich nicht mehr zu Verfügung steht“,

Was aufgrund der bisherigen fast 100% Verfügbarkeit auch leicht nachvollziehbar ist.

Zwar gebe es bei Behörden und Unternehmen viele Schutzkonzepte und Leitfäden für Stromausfälle, diese seien allerdings selten abgestimmt.

Die organisatorische Vernetzung hinkt in vielen Bereichen der durch die technische Vernetzung geschaffenen rasanten Komplexitätssteigerung hinten nach. Die entstehende Komplexitätslücke wird dadurch immer größer. 

 

„Steigende Komplexität erhöht aber die Fehleranfälligkeit“, sagte Dienel. Zudem gebe es ein fehlendes Problembewusstsein in der Bevölkerung.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen, außer dass wir damit rasch beginnen sollten!

Die Plattform Team Österreich bietet die Möglichkeit für einen Selbsttest - Worst Case Hero - an.


Knapp 1000 Mal musste Tennet im vergangenen Jahr bei kritischen Situationen im Stromnetz eingreifen. Der Übergangsnetzbetreiber musste sogar die Stromproduktion steuern.

Quelle: Handelsblatt.com vom 24.01.13

Das Thema "Blackout" zählt zwar nicht zu den Kernbereichen von Cyber Security Austria, dennoch erscheint es angebracht, auch dieses Querschnittsthema in der Öffentlichkeit anzusprechen und zu entsprechenden Vorsorgemaßnahmen aufzufordern. Ein Blackout führt unmittelbar zum völligen Zusammenbruch der meisten (Kritischen) Infrastrukturen und des Gemeinwesens. Ein Thema, dass in keinster Weise auf die leichte Schulter genommen werden darf.

Und die Anzahl der Warnungen seitens der E-Wirtschaft nehmen weiter zu.

Die deutschen Stromnetzbetreiber müssen im Kampf gegen Stromausfälle einen immer größeren Aufwand betreiben. „Es wird immer teurer, Blackouts zu vermeiden“, sagte der Deutschlandchef des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, im Gespräch mit dem Handelsblatt: „2012 mussten alleine wir knapp 1000-mal eingreifen, um kritische Situationen abzufangen", sagte Fuchs.

An fast jedem Tag des Jahres sei das nötig gewesen. Im Jahr 2010 – also vor der Energiewende – waren es noch lediglich 290 Eingriffe. 2011 waren es zwar auch schon rund 1000. „Aber die Eingriffe waren 2012 aufwendiger und teurer“, sagte Fuchs.

Tennet ist für einen Teil des deutschen Höchstspannungsnetzes zuständig, den überregionalen Leitungen. 

Auch der österreichische Netzbetreiber hat erst letzte Woche vor der steigenden Blackoutgefahr gewarnt!

Ein Blackout ist auch in Österreich jederzeit möglich. Gerhard Christiner von APG (Austrian Power Grid), dem Übertragungsnetzbetreiber, der dafür sorgt, dass Österreich mit Strom versorgt wird: "Ich glaube, es wäre falsch zu sagen, es gibt kein Risiko gibt. Das Wichtige ist, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind."

Quelle: Ö1 vom 12.01.13


Auch der deutsche "Eon-Chef warnt vor wachsender Black-Out-Gefahr" im Handelsbatt vom 22.01.13

Ö1 wird am 03.02.13 die Sendung Blackout. Was passiert, wenn der Strom ausfällt ausstrahlen:

Wie ist die Situation in Österreich? Wer befasst sich mit der Möglichkeit eines großflächigen Stromausfalls? Wie sehen die Pläne für den Notfall aus? Über die Technik der Stromnetze und den Umgang mit einem potentiellen Blackout.


Der neue deutsche Sicherheits-Berater direkt Newsletter empfiehlt: "Grund genug, sich als Krisenmanager diese beiden, öffentlich zugänglichen Publikationen des Wissenschaftlers einmal genauer anzusehen:"

Sicherheits-Berater direkt 


Weiters lesenswert: "Verhalten, das Einzelnen betriebswirtschaftlich sinnvoll schien, brachte das Gesamtsystem mehrfach ins Wanken.", in der SÜDWEST PRESSE "Kurz vor dem Blackout" vom 25.01.13

Februar 2012: "Es war eine Situation, in der nichts mehr hätte passieren dürfen"

In natürlichen Systemen finden wir puffernden Wirkungen, d. h.,. die Folgen von Überbelastung des Systems können lange aufgefangen werden; der Systemzusammenbruch erfolgt dann plötzlich ("der Faden reißt"). Von daher wird die Belastbarkeit von natürlichen Systemen meist falsch eingeschätzt.


Im Handelsblatt.com vom 18.03.11: 

Das lineare Leben früherer Zeiten endet mit einem Feuerwerk von Komplexität. Es wächst die zunehmende Anfälligkeit der technischen und ökonomischen Systeme für unerwartete Schwankungen, Ausfälle und Havarien aller Art. Der Schwarze Schwan wird auf absehbare Zeit unser ständiger Begleiter sein.

Der schwarze Schwan

Nassim Nicholas Taleb ist ein Mathematikprofessor und früherer Börsenmakler in New York und wurde bekannt durch seine Bücher über Ungewissheit und wie die Menschen damit umgehen. Als „schwarze Schwäne“ bezeichnet er Ereignisse, die nicht zu unseren Annahmen passen, wie die Welt sein sollte. 


Am 26.01.13 bringen die Stuttgarter Nachrichten ein Interview mit Stephan Boy, Geschäftsführer des Vereins KKI Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen e. V.

"Katastrophen-Experte: Deutschland ist verwundbar" - 

Parallel dazu wurden in den vergangenen Jahren bundesweit Doppelstrukturen abgebaut. Früher hatten viele Industriebetriebe, Flughäfen oder Wasserwerke eigene Kraftwerke. Um effizienter zu werden und Kosten zu sparen, wurden sie eingemottet. Damit sinken aber auch die Risikopuffer für den Krisenfall. 

... gab es keine echten Großschadensfälle. Das hat zu dem Glauben geführt, dass technische Systeme immer und überall funktionieren und verfügbar sind. Entsprechend sinkt die technische Vorsorge, aber auch die Wahrnehmung in der Bevölkerung. 

Unsere Verhaltensweisen haben sich jedenfalls daran angepasst, dass Katastrophen lange nicht mehr eingetreten sind. Nehmen wir die Lebensmittelversorgung. An jeder Ecke gibt es heute Supermärkte. Der Grund ist: Die Deutschen leben von der Hand in den Mund – „just in time“. Bevorratung ist nicht mehr üblich, die Speisekammer ist im Grundriss moderner Wohnungen nicht mehr vorgesehen. Es gibt ja den Kühlschrank. Darin liegen allerdings Waren, die bei Stromausfällen schnell verderben. Da auch Supermärkte aus Kostengründen auf Lagerhaltung verzichten, wird das System extrem verletzlich. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Supermärkte in Ballungsräumen im Ernstfall in einem halben Tag leergekauft sind. In den Kühlhäusern an der Peripherie reichen die Vorräte einen Tag. 

In puncto Technik sieht es ähnlich aus, und zwar schlicht, weil die Komplexität der Systeme steigt und damit auch deren Versagenswahrscheinlichkeit zunimmt. Zum anderen haben wir es derzeit mit großen Umbrüchen zu tun. Die Energiewende etwa krempelt ein absolut zuverlässiges System völlig um. In der Übergangszeit sind wir in einer sehr heiklen Phase. Das soll nicht heißen, dass die Energiewende zwangsläufig zu Blackouts führt, man muss die Gefahr eines flächendeckenden Stromausfalls aber sehen.

Experten gehen davon aus, dass es mehrere Tage dauern wird, bis die Stromversorgung überall wieder hergestellt werden kann. In Fachkreisen hört die Fantasie aber bereits nach 48 Stunden ohne Strom auf. Welche Langzeitfolgen dann auftreten, kann man sich kaum ausmalen.

Damit werden leider einmal mehr die bisherigen Analysen bestätigt. 


Am 27.01.13 gibt es aber auf www.n-tv.de auch gegenteilige Aussagen: Keine Blackout-Gefahr
Netzbetreiber geben Entwarnung 

Ungeachtet der jüngsten Kältewelle und dem damit verbundenen hohen Stromverbrauch sehen die Netzbetreiber keine erhöhte Gefahr eines Blackouts in Deutschland. "Es ist alles derzeit stabil", sagte der Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Boris Schucht, der Deutschen Presse-Agentur. 50Hertz betreibt die Stromautobahnen in Ost- und Norddeutschland. Auch eine Sprecherin der Bundesnetzagentur betonte: "Insgesamt ist die Situation beherrschbar". 

Trotz frostiger Temperaturen in Deutschland ist die Gefahr von Blackouts gebannt. Anders als noch im vergangenen Jahr gibt es dank Ökostrom und höherer Effizienz genügend Strom. Panikmache sei fehl am Platz, sagt ein Netzbetreiber. Einen Engpass gibt es bei Brennholz.

Im vergangenen Winter hatten Gasengpässe die Stromproduktion gedrosselt und das Netz im Süden in eine gefährliche Lage gebracht. Bei 50Hertz stieg die Zahl der Eingriffe 2012 auf 262, bei Tennet sogar auf knapp 1000.

Nicht so entspannt sieht die Gegendarstellung des berliner-kurier.de dazu aus: "Geheimtreffen bei Henkel Die große Angst vorm Strom-Blackout"

Weil Wind und Sonne unseren hohen Strombedarf kaum decken können: Schnell könnte ein Strom-Blackout Berlin lähmen. Doch Boris Schucht, Chef des Netzbetreibers 50 Hertz (steuert die Stromversorgung Berlins), tut so, als gäbe es die Gefahr nicht. Aber die Wahrheit sieht anders aus. Auf einem Geheimtreffen mit Innensenator Frank Henkel (CDU) warnten Experten vor dem Ausnahmezustand für Berlin.

Fazit der Expertenrunde: Berlin ist unzureichend auf große Stromausfälle vorbereitet. „Die Wahrscheinlichkeit von Störungen steigt“, erklärt Henkels Staatssekretär Bernd Krömer. Ein Grund: erneuerbare Energien, so Hans-Liudger Dienel (TU Berlin). Wind- und Solarenergie, die als Ersatz für die geplante Abschaltung der Atomkraftwerke dienen soll, wird zum Problem. Erschreckend: Schon bei der jüngsten Kältewelle konnten Wind (Flaute) und Sonne (zu wenig) nicht den erhöhten Stromverbrauch der Deutschen decken. Treten dazu noch Naturkatastrophen ein, verschärft sich die Gefahr eines tagelangen Strom-Blackouts.

Was das für Berlin heißt, beschreibt eine Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht. Das Fazit der Autoren der Blackout-Studie: „Der Eintritt dieses Ereignisses würde eine Katastrophe bedeuten.“


Stromnetzbetreiber müssen Reservekraftwerke aktivieren

Zur Sicherung der Stromversorgung greifen die Netzbetreiber in Deutschland das erste Mal in diesem Winter auf Reservekraftwerke zurück. Für Dienstag seien vorsorglich Anlagen mit einer Leistung von 850 Megawatt aktiviert worden, teilte der Netzbetreiber Tennet am Montag mit.

Weitere 150 Megawatt könnten noch hinzukommen. Grund hierfür sei unter anderem die in den kommenden Tagen erwartete starke Windfront, durch die die Systemsicherheit gefährdet werden könnte. Je mehr Ökostrom wie etwa Windenergie in das Netz eingespeist wird, desto größer ist die Gefahr, dass es zu Schwankungen kommt. Reservekraftwerke können kurzfristig dafür sorgen, dass die Einspeisung von Strom und der Verbrauch stets im notwendigen Gleichgewicht bleiben.

Quelle: FAZ vom 28.01.13


Power Trip

Power cuts are becoming more and more frequent. Large-scale, supraregional blackouts are increasingly a realistic scenario. Even small outages can have disastrous effects on unprepared businesses.

Many companies are unprepared for business disruptions caused by power blackouts, and are often unaware of the true costs and impact that they can have on their operations.

While the majority of power failures from national grids last only a few hours, some blackouts can last days or even weeks, completely shutting down production at companies and critical infrastructures such as telecommunication networks, financial services, water supplies and hospitals.

Furthermore, it is likely that power blackouts will become more frequent owing to the lack of incentives to invest in aged national grid infrastructures in Europe and the US, as well as the fact that energy from decentralized, “volatile” renewable sources is not well aligned to work on electricity grids that were designed 50 or 60 years ago. Also, as more and more grids are interconnected, a blackout in one region can trigger a domino effect that could result in supra-regional blackouts.

Controlling power blackout risks should not just be limited to having emergency back-up generators. 

Quelle: Allianz Global Corporate & Specialty

Einmal mehr sei hier der Hinweis erlaubt, dass es nicht um Wahrscheinlichkeiten geht, sondern dass eine unvorbereitete Gesellschaft umso härter getroffen wird.