ERP, Industrie 4.0 und das Risiko im Betrieb

Für das Thema Industrie 4.0 gibt es viel Rückenwind - auch aus dem Kanzleramt. Gerade Mittelständler sollten sich jedoch angesichts der nicht zu leugnenden Risiken nicht von den schönen Visionen alleine blenden lassen.

Quelle: www.it-zoom.de

Für die Unternehmen bedeutet dies zunächst einmal, sich intensiv mit den möglichen Risiken zu befassen. Vor allem deshalb, weil die sich gerade entwickelnden und propagierten Strukturen von Industrie 4.0 grundsätzlich die Offenheit aller eingebundenen Systeme voraussetzen. 

Risikomanagement ist wie ein Sinkflug im Hubschrauber

Doch bereits das Stromnetz birgt ein Risiko. Zwei Systeme, die man selbst nicht direkt beeinflussen kann, spielen bei Industrie 4.0 elementare Rollen – nämlich die elektrische Energieversorgung und der Datenverkehr. Die Qualität der hiesigen Netzfrequenz ist mit 50Hz +/- 200 mHz festgelegt. Netzfrequenzschwankungen, die darüber hinausgehen, können zu Infrastrukturausfällen führen. Für die Stabilität sind Grundlastkraftwerke unerlässlich, weil sie durch ihre Leistung von teils über 1 GW im Stande sind, den Takt, sprich die Frequenz, im Netz vorgeben zu können, in den sich schwächere Kraftwerke dann einreihen. Offen ist derzeit noch die Frage, wie das Stromnetz eigentlich zukünftig stabilisiert werden wird.
Dass das Thema Netz keine Panikmache ist, zeigt die Republik Österreich. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) veröffentlichte bereits im Jahr 2011 die Studie „Blackouts in Österreich“. So entstand das Sicherheitsförderungsprogramms KIRAS (www.kiras.at,www.ffg.at,www.bmvit.gv.at), weil es durchaus Anlass zur Sorge gibt –Teil 1 ist unbedingte Pflichtlektüre!

Gleichermaßen systemisch wie die Energieversorgung muss auch der Datenverkehr sichergestellt sein, ohne den im Unternehmen alles steht – gerade bei Industrie 4.0. Das ist dann die Flughöhe Null, wenn der Hubschrauber hart auf dem Boden der Realität aufsetzt. Selbst in einer gut verkabelten Stadt der Forschung wie Aachen kann ein kleines Teil den Betrieb lahmlegen.

Der digitale Teil einer Maschine, einer Produktionslinie oder gar eines globalen Produktions- und Logistiksystems folgt immer der physischen Infrastruktur, die Güter und Waren bearbeitet und transportiert. Aus diesem Grunde bedarf eine qualifizierte Gestaltung des betrieblichen Risikomanagements nicht allein der technokratischen Analyse, sondern einer, die beispielsweise auch Sabotage, Spionage, Fehlverhalten oder Fahrlässigkeit umfasst.

Das menschliche Gehirn ist übrigens durch seine Blut-Hirn-Schranke vor eindringenden Stoffen genial geschützt. Und, solange in der Elektronik kein betriebssicheres Analogon auf Hardware-Ebene existiert, das zudem einen Fall-Back-Mechanismus bei einer Störung anstößt, der ausschließlich zulässige (Not-)Funktionen sicherstellt, solange wird Industrie 4.0 durch seine Struktur ein systemisches Risiko in sich tragen. Am Ende steht Industrie 4.0 auch risikobezogen erst ganz am Anfang – auch bei ERP-Systemen. Denn sie stehen datentechnisch für die Deskriptoren, die beschreibenden Daten der Produktion.

Ein ausgezeichneter Artikel, der die wirklichen Herausforderungen adressiert und nicht nur von Hochglanzversprechungen träumt.