Es geht auch ohne Smart Meter

Ein deutscher Energiekonzern macht es vor: Intelligente Stromnetze brauchen keine neuen Stromzähler. Österreich hält indes trotz Verzögerungen am Systemwechsel fest.

Quelle: http://wirtschaftsblatt.at

Peter Birkner, Vorstand des Frankfurter Energieversorgers Mainova, war sich der Ungeheuerlichkeit seiner Aussage zunächst gar nicht bewusst: „Smart Meters? Wozu? Das braucht doch keiner.“ Erst an der Reaktion seiner österreichischen Gäste bemerkte er, dass er in ein Wespennest gestochen hatte. 

In Österreich hingegen ist das Projekt „Smart Meters“ ins Stocken geraten, nachdem zuvor jahrelang darüber diskutiert wurde, ob die lückenlose Energieüberwachung von Haushalten nicht vielleicht auch datenschutzrechtlich relevant wäre. Bis dato wurden in Oberösterreich rund 160.000 intelligente Zähler montiert, Wien hat ein Pilotprojekt mit 3000 Haushalten initiiert, in den anderen Bundesländern laufen noch die Ausschreibungen. In Summe sollen bis 2019 rund fünf Millionen digitale Geräte in 95 Prozent der österreichischen Haushalte installiert sein.

Warum Deutschland mit einem Minimalaufwand einen ähnlichen Effekt erzielt und Österreich die Sache unnötig verkomplizieren muss, ist für OE-Generalsekretärin Barbara Schmidt nicht leicht erklärt. Man versuche, die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen, und diese sehen nun mal vor, dass jeder Kunde seinen tatsächlichen Verbrauch exakt nachvollziehen kann und keine „Grätzel-Schätzung“ bekommt.

Alle (E-Control, E-Wirtschaft) reden sich auf die gesetzliche Vorgabe aus ... der Sinn und Zweck wird nicht (mehr) hinterfragt, obwohl die Basis für die gesetzliche Grundlage eine zweifelhafte Studie aus dem Jahr 2009 war und sich inzwischen viele Rahmenbedingungen geändert haben. Ganz abgesehen davon, dass die damals völlig ignorierten Cyber-Risiken mittlerweile in vielen Bereichen sehr real geworden sind. Am schlimmsten ist aber, dass es anstatt klarer Zielvorgaben, was erreicht werden muss, planwirtschaftliche Detailvorgaben gibt, wie etwas umzusetzen ist. Und einen völlig unrealistischen Zeitplan für die Ausrollung, der noch dazu weitere Verwundbarkeiten schafft. Und wenn etwas schief geht? Kein Problem, die Kunden werden das schon wieder ausbügeln, so wie bei der Hypo Alpen Adria, wo man auch nicht auf die Leute mit Hausverstand gehört hat. Offensichtlich muss erst in jedem einzelnen Bereich etwas schief gehen, bevor wir nachdenken. Wissenstransfer? Lessons Learned? Fehlanzeige!