"Die Zahl der Festplatten-Crashs in der Industrie hat sich verdreifacht"

An einem heißen Augusttag 2012 klingelt das Telefon von Ernst Höfer. Es sind keine guten Nachrichten für den selbstständigen Berater. Um 09:10 Uhr kam es in einem holzverarbeitenden Betrieb in Niederösterreich zu einem Zwischenfall: Sechs von acht Festplatten in der IT des Betriebs gaben den Geist auf. Die letzten zehn Jahre der Buchhaltung waren weg. Die Kundendaten futsch sowie Programmdateien „für die 300.000-Euro-CNC-Werkzeugmaschine“, erinnert sich Höfer. Und die wirklich schlechte Nachricht kommt erst: Genau zum Zeitpunkt des Crashs war „kein Backup verfügbar“.

Quelle: www.industriemagazin.net vom 20.08.13

Laut den Auftragsbüchern von Attingo haben sich die Zahlen der Festplatten-Crashs in den letzten drei Jahren fast verdoppelt. Zum einen seien es moderne Geräte, deren Materialqualität rapide abnimmt. 

Beinahe im Wochentakt werfen Hersteller neue Modelle auf den Markt. Laut dem Datenrettungsspezialisten gab es früher alle paar Monate oder Jahre ein neues Modell.

Eine Erhebung der National Archives & Records Administration Washington besagt, dass die Hälfte der Unternehmen, die einen zehntägigen Datenausfall erleiden, sofort insolvent gehen. Weitere 43 Prozent innerhalb eines Jahres. Ein fehlendes Backup kann Existenzen vernichten. Und trotzdem sind in kurzen Abständen gemachte Backups eher die Ausnahme als die Regel in der produzierenden Industrie. Mitgrund ist das Spardiktat: Lieber machen Betriebe ein Backup einmal im Monat, als jeden Tag 200 Euro für einen Worst-Case ausgeben, der höchstwahrscheinlich nie eintritt. Betriebe seien sich aber oft gar nicht bewusst, „wie abhängig sie von Datenträgern sind“, so Nicolas Ehrschwendner, Geschäftsführer von Attingo Datenrettung.

„Wir brauchen kein Backup, wir haben ein RAID- System“, ist häufig das Argument der Kunden von Ulrich Lenz, Leiter EMEA Availability Consulting bei Stratus. Stratus bietet sowohl Hardware als auch softwarebasierte Hochverfügbarkeitslösungen an. Ein RAID-System (Redundant Array of Independent Disks) ist ein Arrangement von mehreren Festplatten. Fällt eine aus, übernimmt die andere deren Funktion. Das System läuft weiter. So die Theorie. Im Falle des holzverarbeitenden Betriebs in Niederösterreich war es aber genau dieses RAID-System, das den Geist aufgegeben hat.

Kleine Ursache, große Wirkung - möglicherweise sogar fatale Wirkung. Davon bleibt auch der Bereich der Kritischen Infrastruktur nicht verschont. Dabei könnte durch einfachste Maßnahmen viel Schaden verhindert werden ...