Smart Meter

Erfahrungen mit "Smart Meters" in Österreich

"Dafür haben wir aber aber die gesamten Prozesse bis hin zur Kundenabrechnung minutiös durchgespielt und tun das weiterhin täglich" sagte Projektleiter Gerald Obernosterer, "die rein technischen Abläufe sind ja nur ein Teil des Projekts. Die dahinter nötigen Prozesse im Unternehmen von der Netzwerküberwachung bis hin zur Kundenbetreuung sind ebenfalls recht komplex." Vom Organisatorischen her sei nämlich weitaus mehr zu tun gewesen, als bei Projektstart angenommen worden war.

Quelle: FM4 vom 15.02.13

Diese digitalen, verschlüsselten Signale gehen jedoch über ein Netz, das nicht für die Funkübertragung von Daten gebaut ist. Ein nicht geerdeter, unabgeschirmter Draht, auf den elektromagnetische Schwingungen aufgebracht werden, nennt sich "Antenne" und als solche wirkt das Stromnetz auch.

Ein frei aufgespannter Draht von mehreren hundert Metern Länge wie bei Freilandstromleitungen ist nachgerade gerade ideal, um Langwellensignale aufzufangen. Die mächtigen Sinuswellen des Stroms rollen unbeeindruckt weiter, die mitreisenden, digitalen Datenpaketchen aber werden durch die Einstrahlung unlesbar.

Auch sind die Ansätze beider Projekte völlig verschieden. In Ferlach wurde ein sehr früh begonnener Test eines Systems für 300.000 mögliche Anschlüsse in einem für Kärnten typischen ländlichen Bereich an 360 Anschlüssen durchgeführt. Die Tagesdatensätze (KELAG-Tochter Kärnten) mit den viertelstündlich aufgezeichneten Werten werden dabei jede Nacht ab ein Uhr aus den Haushalten übertragen. Dieser Vorgang, sagt Obernosterer, sei zumeist bis etwa vier Uhr morgens abgeschlossen.

Es wird über die Leitungen, wenn auch relativ schwach abgestrahlt, leider empfängt diese "Stromantenne" in dem Fall aber auch Störungen aller Art. "Bei einer ländlichen Struktur wie in Ferlach und entsprechend vielen Freileitungen fängt man sich natürlich auch die enstprechenden Störungen ein" sagt Obernosterer.

Offene Frage Skalierung

Das entspricht den bekannten Umfragewerten bei Stromkunden quer durch Österreich, auch in Wien ist also nicht viel anderes zu erwarten. Weitgehend unbekannt und auch nicht getestet ist bei allen Projekten allerdings noch ein Faktor, der in der vernetzten Welt das Wohl und Wehe jeder Netzarchitektur bestimmt:Die Skalierungsfähigkeit.

Nach dem heutigen Wissens- und Erfahrungsstand lässt sich schlichtweg nicht voraussagen, was passiert, wenn statt weniger tausend Anschlüsse eine halbe Million oder mehr solcher "intelligenter" Zählgeräte Daten in ein- und dasselbe Stromnetz senden.

Viele offene Fragen bereits bei kleinen Pilotprojekten, die noch weniger Aufschluss auf eine Vollausrollung zu lassen. Hier sind wohl noch zahlreiche Überraschungen und Kosten zu erwarten.


 "Smart Metering" ist Österreichern "wurscht"

Stromsparen als Chimäre

Die Möglichkeiten, Strom einzusparen, sind in solchen Haushalten sehr begrenzt. Wer den Verbrauch jedes einzelnen Geräts genau wissen möchte, ist mit einem handelsüblichen, kleinen Wattmeter um 19,90 Euro weitaus besser bedient, als mit den Viertelstundenwerten des "schlauen Stromzählers" für den gesamten Haushalt.

Wenn die "Smart Meters" ab Mitternacht die Verbrauchswerte des Tages an den "Konzentrator" in der Trafostation übermitteln, kann es so zu einer Reihe von unerwünschten Effekten kommen.

"Diese Funkuhren made in China sind so programmiert, dass sie täglich um Mitternacht zur Synchronisation auf Empfang gehen" sagt Hardwarehacker Franz Lehner. Um diese Zeit ist das gesamte Funkspektrum generell viel "sauberer", da weitaus weniger Geräte aller Art im Stromnetz aktiv sind

Aus demselben Grund beginnen genau dann auch sämtliche "Smart Meters" im Netz eines Stromversorgers mit der Datenübertragung. Das kann schon mehrere Stunden dauern und rechtlich betrachtet ist hier durchaus Sprengstoff drin. 

In demselben Langwellenband um die 80 KHz, in dem die "Smart Meters" in die Stromleitungen funken, arbeitet auch jener Langwellensender nahe Frankfurt, dessen Signale hunderttausende Funkwecker, Klimastationen, Armbanduhren aber auch Haussteuerungen, Bewässerungsanlagen, professionelle Messlabors usw. allein in Österreich synchronisieren.Während die Zeitzeichenstation DCF-77 eine Sendelizenz innehat, auf 77 Khz mit 50 Kilowatt und mehr Leistung zu funken, verfügen die "Smart Meter"-Anlagen über keinerlei Lizenz, in diesem Bereich Funksignale in die Luft abzustrahlen. Das tun sie aber, denn die Stromleitungen sind nicht abgeschirmt und wirken daher als Antennen.

Quelle: FM4 vom 18.02.13

Eine Reihe von weiteren unbeantworteten Fragen ...


Smart Meter: Das "Stromkastl" als potenzielle Sicherheitslücke

Hacker zeigen Verwundbarkeit der neuen Messgeräte

In verschiedenen Bundesländern werden die neuen digitalen Stromzähler, genannt "Smart Meter" bereits getestet. Für Kunden der Wien Energie war die Anmeldung zu einem entsprechenden Probelauf seit Freitag möglich. (Update: Mittlerweile sind bereits alle Testzähler vergeben.) Doch hinter den großen Versprechungen der Betreiber lauern auch Risiken. Eine Einführung zu Smart Metering und Hacking gaben Dario Carluccio und Stephan Brinkhaus 2011 auf der vom Chaos Computer Club organisierten 28c3-Konferenz.

Schlecht gesichertes Webportal

Eine Selbstauswertung kann ein Smart Meter-User selbst vornehmen, die ermittelten Daten werden ihm auf einem Online-Portal zur Verfügung gestellt. Jenes der Wien Energie wird jeweils die Verbrauchswerte ganzer Tage, optional auch jeder Viertelstunde, anzeigen.

Getestet hat das Team mit einem Smart Meter von Discovergy, das als "Messstellenanbieter" fungierte, also den Zähler liefert und die Datenbereitstellung übernimmt. Die Verwendung verschlüsselter Übertragung und Signaturen sollen dabei Sicherheit und Datenechtheit gewährleisten. Durch eine Fehlkonfiguration Seitens Discovergy erfolgten Logins in das Webinterface mit einem im Klartext übertragenen Passwort, das in der Standardeinstellung anhand des Nutzernamens auch noch leicht zu erraten war.
Erfolgreiches Täuschmanöver

Doch auch die Kommunikation des Smart Meters selbst lässt sich anzapfen, um genauere Einsicht in den eigenen Verbrauch zu gewinnen. Die Daten wurden nämlich im Klartext übertragen. Durch das Vortäuschen der MAC-Adresse des Digital-Stromzählers war es auch möglich, sich gegenüber dem Server des Anbieters selbst als dieser auszugeben.

Mit einem selbst erstellten Tool wurde ein Testlauf gestartet – mit Erfolg. Einen Tag, nach der Bereitstellung des Passworts konnte man eigene Daten anstelle der Smart Meter Messwerte einspeisen und nutzte das spaßeshalber zur Zeichnung buchstabenförmiger Verbrauchsdiagramme.

Das c't-Magazin berichtete über den gelungenen Hack, einen Tag später wurde das Smart Meter deaktiviert und erst nach knapp zwei Monaten wieder in Betrieb gesetzt. Mit den bisher angewandten Mitteln war eine Manipulation dann nicht mehr möglich, offenbar hatte das Gerät ein Softwareupdate erhalten. Auch wenn solche Lücken behoben werden können: Die Angriffsfläche ist da.

Quelle: derStandard vom 17.02.13


"Smart Meter-Zwang ist verfassungswidrig"

Die Mietervereinigung (MVÖ) läuft seit geraumer Zeit gegen die verpflichtende Einführung von intelligenten Stromzählern in Österreich Sturm. Sie hält den Einführungszwang gar für "verfassungswidrig" und fordert ein Recht auf Widerspruch gegen den Einbau. Bei manch einem Pilotprojekt ist es auch bereits zu einer Ablehnung der Zähler gekommen, andere Energieversorger reagieren gelassen auf mögliche künftige Proteste.

Quelle: futurezone.at vom 04.03.13