Blackout - Ein Thema mit steigender öffentlichen Wahrnehmung

"Beten gegen den Blackout - Weil die Energiewende stockt, drohen im Winter Stromausfälle. Experten wollen das Netz mit ungewöhnlichen Mitteln stabilisieren. Reicht das?"

Titelt "Zeit online" am 26.10.2012 

Quelle: Zeit online vom 26.10.12

Der umfassende Artikel bringt bekannte, aber auch einen bisher in der Öffentlichkeit noch nicht angesprochenen Aspekt (Blindleistung):

"Im vergangenen Winter war das Stromnetz mehrmals am Limit. Größere Blackouts konnten die Netzbetreiber verhindern. Aber das heißt nicht, dass auch im kommenden Winter alles gut gehen wird. (...) 

Deutschlands Erzeugungskapazität sei »keinesfalls beruhigend auskömmlich, sondern bestenfalls knapp ausreichend«, schrieb die Bundesnetzagentur in einer Analyse. (...)

Auf den Tagungen der Energieversorger erzählen sich die Ingenieure nun kleine Schauergeschichten: 998 Mal musste Tennet im vergangenen Jahr außergewöhnliche Maßnahmen anordnen – also Kraftwerke zu- oder abschalten und Windparks vom Netz nehmen lassen –, um das Stromnetz zu stabilisieren, mehr als dreimal so oft wie im Jahr zuvor; mehrmals wäre das Stromnetz kollabiert, wenn nur ein einziges wichtiges Kraftwerk oder Kabel ausgefallen wäre. (...)

Blindleistung. Diese wird nicht verbraucht, sondern kann etwa zwischen Generatoren, Motoren und dem Stromnetz hin und her fließen. Die rotierenden Massen der Generatoren und Motoren wirken dadurch wie tonnenschwere Schwungräder. Sie stabilisieren mit Blindleistung die Wechselspannung im Netz. (...)

13. Februar 2012: an dem Tag, als das Stromnetz kurz vor dem Kollaps stand. Mehr als 6.000 Megawatt fehlten am Nachmittag im Netz. Die deutschen Reserven deckten nur gut die Hälfte davon, der Rest musste aus dem Ausland beschafft werden. Dadurch mangelte es in Süddeutschland an Blindleistung. Möglicherweise hat nur der Riesenmotor von Biblis einen Blackout verhindert. (...)

Denn Windräder und Solarzellen erzeugen keine Blindleistung."

In Deutschland ist in den vergangenen Wochen ein deutlicher Anstieg der öffentlichen Wahrnehmung zum Thema "Blackout" feststellbar. Nicht zu Letzt auch, da der deutsche Wirtschaftsminister in den kommenden Monaten Blackouts für möglich hält (Die Welt vom 15.10.12). 

Dabei geht es längst nicht nur darum, dass ev. zu wenig Strom zur Verfügung steht - darauf kann man sich vorbereiten, indem man mit Großverbrauchern entsprechende Verträge abschließt oder notfalls abschaltet. Beunruhigender ist die massiv steigende Anzahl von notwendigen Steuereingriffen. Kommt es während einer solchen angespannten Phase zu unvorhergesehenen Ereignissen, bleibt nicht mehr viel Spielraum. Alle großen Blackouts der jüngsten Vergangenheit wurden durch eine Reihe von an und für sich harmlosen Einzelereignissen ausgelöst, wie zum Beispiel die Mega-Blackouts in Indien im Sommer dieses Jahres.

Daher muss durchaus angenommen werden, dass die deutschen Diskussionen zum Thema "Blackout" nicht nur ein Schlagabtausch zwischen Atomstrombefürworter und -gegner sind. Das österreichische Stromnetz ist ein Teil des europäischen Verbundnetzes und würde wahrscheinlich von einem solchen Szenario auch betroffen sein ("Kaskadeneffekt").

"Was das bedeutet, zeigte sich am 4. November 2006, als E.on über der Ems eine Höchstspannungsleitung abschaltete, damit ein Kreuzfahrtschiff darunter passieren konnte. Der Strom floss nun über eine zweite Leitung, die jedoch wegen Überlastung ausfiel, was eine Kettenreaktion auslöste. In nur 14 Sekunden war der Mythos vom stabilen europäischen Verbundnetz zerstört: Es war in drei Teile mit unterschiedlichen Frequenzen zerfallen, Kraftwerke wurden abgeschaltet, 15 Millionen Haushalte waren für eine Stunde ohne Strom." 

Bereits nach diesem Ereignis sprachen Experten davon, dass es nur ein Glück war, dass es nicht zur Katastrophe gekommen ist. 

"2003 und 2006 registrierte man in der Schweiz und in Deutschland Zwischenfälle, die nur um Haaresbreite keinen Blackout auslösten. Kaupa: 'Damals hatten wir richtig Glück.'" Quelle: Die Presse vom 15.10.2011 

Wie auch immer. Die Folgen eines Blackouts sind derart schwerwiegend, dass es unverantwortlich wäre, sich nicht auf ein solches Szenario vorzubereiten. 

Siehe auch Die Netzwerkgesellschaft und das nationale Krisenmanagement

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