Selbst Stromnetzbetreiber fürchten den Blackout

"Der aktuelle "Energiewende-Index" fällt besorgniserregend aus: Die deutschen Stromnetzbetreiber glauben offenbar selbst nicht mehr, dass sie die Stromversorgung noch lange stabil halten können. (...)

Besonders alarmierend: Ausgerechnet die Stromnetz-Betreiber sind die pessimistischsten von allen. Befragt nach der zu erwartenden Versorgungssicherheit in den kommenden zwölf Monaten ergeben ihre Antworten einen Indexwert von gerade noch 54,7 Punkten [Anm: Skala zwischen 0 (sehr negativ) über 100 (neutral) bis 200 (stark positiv)]. (...)

Mit den Netzbetreibern sieht also gerade diejenige Branche für die Zukunft am schwärzesten, die die Blackout-Gefahr am besten beurteilen kann. (...)

Unterdessen warnte die Industrie davor, die gegenwärtig noch gute Statistik in Bezug auf Stromausfälle überzubewerten. (...) Der Industrieverband ViK weist jedoch darauf hin, dass nur Stromunterbrechungen mit mehr als drei Minuten Dauer in die offizielle Statistik eingeflossen sind. In Wirklichkeit seien es weit mehr gewesen. Gerade die gehäuft auftretenden "Mini-Blackouts" im Sekundenbereich verursachten große Probleme in vielen hoch spezialisierten industriellen Prozessen."

Quelle: Die Welt online vom 10.09.12

Augen zu und durch ...

In Anbetracht der immer stärker steigenden Hinweise auf mögliche Blackouts ist es höchste Zeit, sich mit dieser Thematik intensiver auseinanderzusetzen, vor allem in Anbetracht der katastrophalen Auswirkungen. Siehe hierzu auch "Blackout - Eine nationale Herausforderung bereits vor der Krise" bzw. den Blogbeitrag "Ökostrom überlastet ostdeutsches Stromnetz".

Und einmal mehr zeigt sich, dass man den Fachleuten (hier den Netzbetreibern) nicht traut - wie in der IKT-Welt. Auch dort werden immer wieder kritische Hinweise mit "die wollen ja nur mehr Geld" abgetan. Kaum jemand von den Fachleuten ist aber daran interessiert, im Nachhinein die Bestätigung zu erhalten, "es eh schon immer gewusst zu haben".

Auch beim Y2K-Bug wurden die Warnungen nicht leichtfertig abgetan, sondern konkrete Maßnahmen gesetzt. Aber vielleicht ist das auch ein Mitgrund, die aktuellen Risiken entspannter zu sehen, denn damals ist ja auch nichts passiert. Ob, weil massiv in die Vorbereitung und Abwehr investiert wurde, oder weil das Risiko doch nicht so hoch war, ist nicht restlos geklärt. Aber es war klug, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten und in einigen Bereichen profitieren wir noch heute davon. 

Das Thema Blackout ist vor allem aufgrund des hohen Vernetzungsgrades (europäischer Stromversorgungsverbund) und der damit verbundenen Abhängigkeiten so brisant - und unsere Gesellschaft ist heute deutlich höher von der Verfügbarkeit von Strom und IKT abhängig, als vor der Jahrtausendwende!

Derzeit gibt es eine Reihe von kritischen Systemeingriffen im europäischen Stromversorgungssystem - siehe auch "Die Stromversorgung - Lebensader einer modernen Gesellschaft" - die beabsichtigte massive Vernetzung der Strominfrastruktur mit IKT (Stichwort: Smart) wird diese aber wohl noch deutlich übertrumpfen.

Daher sollte bewusst sein, dass auch wenn die österreichische Stromversorgung gut aufgestellt ist - sie dennoch ein Dominostein im europäischen Verbundsystem ist!