Software gegen Terrorangriffe aufs Stromnetz

"(...) Wie man insbesondere Stromnetze schützen kann, damit beschäftigen sich Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Mikroelektronik IHP in Frankfurt/Oder. Forscher um Peter Langendörfer entwickeln Software für den Schutz von Versorgungsnetzen. 'Vorstellbar ist zum Beispiel ein Angriff auf Generatoren in Kraftwerken', nennt Peter Langendörfer ein mögliches Szenario. Ziele könnten auch neue Überwachungssysteme für Leitungen sein. Mit Hilfe von funkenden Messgeräten soll künftig der Zustand von Leitungen kontrolliert werden. Sie registrieren beispielsweise, wenn Leitungen bei großer Hitze zu stark durchhängen, was dazu führen kann, dass sie abgeschaltet werden müssen. Überwachungs-Daten werden an Schaltzentralen gefunkt. Ein Hacker könnte den Datenverkehr so manipulieren, dass Gefahrensituationen vorgegaukelt und Leitungen abgeschaltet werden. Das wiederum hätte möglicherweise Überlastungen in anderen Netzbereichen und Stromausfall zur Folge.

Die IHP-Forscher entwickeln Software, die solche Angriffe erkennt. Ein mögliches Einfallstor für Cyberattacken sind Automatisierungsanlagen, kleine, drahtlose Geräte zur Steuerung verschiedener Prozesse, wie sie in Kontrollleitsystemen für Stromnetze eingesetzt werden.

Die Frankfurter setzen auf Software, die Anomalien im Datenverkehr dieser Geräte erkennt, Abweichungen von den üblichen Mustern. Dahinter könnte dann ein Angriff oder ein Fehler in der Technik selber stecken. "Das Risiko, dass falscher Alarm ausgelöst wird, ist relativ gering", sagt Langendörfer. Denn wenn keine Attacke das anomale Verhalten auslöst, ist es wahrscheinlich ein technischer Defekt, auf den der Betreiber der Anlagen reagieren müsste. (...)"

Quelle: Märkische Oderzeitung vom 29.08.12

Es stellt sich die Frage, ob Technik durch noch mehr Technik sicherer gemacht werden kann, oder ob dadurch die Komplexität und damit die Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten steigen.